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Hier geht's kunterbunt rund! |
In der Mundart Kurmandi
Mein Herz wünscht, dass mein Geliebter komme: lange
habe ich ihn nicht gesehen, mein Herz brennt.
Seinen Mund werde ich küssen; wenn auch sein Mund mit Wolfsblut bedeckt
wäre, so küsse ich ihn dennoch.
Nach seiner Hand werde ich greifen, werde sie drücken: wenn auch
eine Natter um den Finger liegt, ergreife ich sie dennoch und drücke
sie.
Mein Herz begehrt nach dem Jüngling, sage ich zum Winde, der Wind
hat keinen Verstand, dem Jüngling zu sagen, was mein Herz wünscht!
Er vermag nicht, dem Jüngling die Botschaft zu bringen (sagen),
Er vermag nicht, vom Jüngling mir (Botschaft) zu bringen.
Mein Herz begehrt weder nach Hammelbraten noch nach Honigkuchen, mein
Herz begehrt nach dem Jüngling.
Zur Zeit, als wir auf die Sommerweide zogen, gewann mich der Jüngling
lieb, im Winter hatte er mich noch mehr lieb.
Erste Erzählung.
Timurleng kam während einer Reise in die Gegend
des Chodja Nasr-ed-din. Ein Verwandter des Chodja sagte zum Chodja: "Timurleng
ist gekommen, geh, Du bist der Imam unseres Dorfes, vielleicht fragt Dich
der Kaiser um Etwas, gib ihm Antwort." Der Chodja sagte: "Sehr
wohl!" Er machte eine große dicke Mütze, setzte sie auf
sein Haupt und begab sich auf vier Stangen, welche vier Männer aufhoben,
gleichsam wie in einem Zelte zu Timurleng.
Timur sah es von Weitem und fragte: "Was ist das für eine Standarte,
die da kommt?" Ein Mann Timurs, welcher es nicht wusste, antwortete:
"Vielleicht der Chodja des Dorfes, welcher ganz toll ist." Timur,
darüber erzürnt, sagte: "Wenn der kommt, so töte ich
ihn." Jener (der Mann Timurs) sagte: "Übereile Dich nicht,
schau zu, welch ein Mann es ist, dann töte." Timur sagte: "Diese
Rede ist gut." Der Chodja näherte sich allmählich und erschien
vor Timur.
Timur war bald zornig, bald lachte er, bald stand er vor dem Chodja auf,
bald erwies er ihm Ehre und liess Kaffee bringen. Endlich sagte Timur:
"Mein Herr, was ist das für eine Mütze?" Der Chodja
antwortete: "Mein Kaiser, das ist eine Nachtmütze, meine Mütze
blieb heute im Wagen."
Timur lachte und sagte: "Wer bist du?" Der Chodja antwortete:
"Mein Kaiser, ich bin der Gott der Erde." Timur geriet in Zorn:
"Ich schlage ihn tot, ich werde die Sache untersuchen, dann schlage
ich ihn tot." Der Abstammung nach war Timur ein Tatar; sein Gefolge
waren wohl tausende Tataren, hübsche Männer, nur ihre Augen
waren klein.
Timur sagte: "Hast du gesehen, dass alle, die bei mir sind, hübsch
sind?" Der Chodja sagte: "Ich habe es gesehen; wenn ihre Augen
nicht klein wären, wäre nichts mehr zu wünschen."
Timurleng sagte: "Mache ihre Augen groß." Der Chodja aber
sagte: "Mein Herrscher, ich bin der Gott der Erde, wenn auf ihrem
Rücken eine Vertiefung ist, will ich sie vergrößern, wenn
aber auf ihrem Rücken eine Erhöhung ist, mag Gott sich darum
kümmern, ich werde mich darum nicht kümmern." Timur fand
viel Gefallen an dieser Rede und sagte: "Chodja Nasr-ed-din kennt
seine Leute; ich lasse Dich nicht los, wir gehen mit einander!"
Zweite Erzählung
Timurleng war ein hässlicher Mann: Er war auf einem
Auge blind und eines seiner Beine war verstümmelt. Eines Tages saß
er mit dem Chodja. Timurleng untersuchte seinen Kopf: Sein Kopf war unrasiert;
er befahl einem Barbier, seinen Kopf zu rasieren. Der Barbier gab Timur
einen Spiegel in die Hand. Timur sah im Spiegel, dass sein Gesicht hässlich
sei: er weinte sogleich, der Chodja weinte auch sogleich, sie weinten
zwei Stunden.
Darauf tröstete den Timur ein Mann, der mit ihm vertraut war. Timur
weinte nicht mehr, der Chodja hörte nicht mehr auf, er weinte noch
mehr; darauf fragte Timur den Chodja: "Als ich in den Spiegel sah,
war ich sehr hässlich, ich schämte mich dessen, ich bin ein
Herrscher, ich bin reich (habe viel Besitz), viele Diener, ich bin ein
hässlicher Mann, darum weinte ich, warum weinest Du und weinst Du
noch?" Der Chodja antwortete: "Du schautest ein Mal in den Spiegel,
du sahst dein Gesicht, ein Mal schautest du in den Spiegel und sahst Dich
hässlich, Du ertrugst es nicht, Du weintest; wir sehen Dich Tag und
Nacht, daher weinen wir." Timur platzte vor Lachen.
Dritte Erzählung
Eines Tages fragte man den Chodja: "Welches Instrument
liebst Du? Ist's die Flöte, die Gitarre oder die Violine? Wir wollen
es Dir bringen." Der Chodja aber antwortete: "Einen Kupferkessel
liebe ich sehr, den bringe, er sättigt den Bauch der Menschen; jene
Instrumente sind schlecht, sättigen mir nicht den Bauch."
Vierte Erzählung
Der Chodja Nasr-ed-din lieh eines Tages von einem Nachbar
einen Kessel. Der Besitzer des Kessels war ein schlechter Mann, der Chodja
liebte ihn nicht. Nachdem der Kessel einige Tage bei ihm geblieben war,
klopfte der Besitzer desselben an die Türe des Chodja und verlangte
den Kessel. Der Chodja stellte einen kleinen Kessel in dessen Kessel.
Der Besitzer des Kessels, als er sah, dass in seinem ein kleiner Kessel
stand, sagte zum Chodja: "Dieser kleine Kessel ist nicht mein Kessel."
Der Chodja antwortete: "Nachdem ich den Kessel genommen und gebracht
hatte, schrie etwas; ich schaute nach, was da schrie, und sah, dass jener
Kessel schwanger war; dein Kessel gebar. Er ist Dein Eigentum, nimm es,
Dein Gut braucht man nicht." Der Eigentümer des Kessels freute
sich sehr und sagte: "Gott der Erhabene vermochte Alles." Nachdem
er dies gesagt hatte, nahm er den Kessel und ging.
Im zweiten Monat darauf machte sich der Chodja auf, um einen großen
Kessel zu verlangen; als man den großen Kessel gebracht hatte, sagte
der Chodja: "Dieser ist zu groß, gib einen kleinen." Jener
Mann sagte: "Einen kleineren als diesen gibt's nicht, dabei ist kein
Schaden; gebärt er vielleicht, so gebärt er einen großen."
Der Chodja nahm den Kessel, trug ihn nach Hause und stellte ihn hin. Der
Eigentümer des Kessels wartete einen Monat, bis er ihn verlangte;
als er sah, dass der Kessel nicht gebracht wurde, ging er eines Tages,
um ihn zu verlangen. Der Chodja weinte: "Ich habe ein neues Unglück,
es war ein schöner Kessel, Dein Kessel ist gestorben - Du bist gesund."
Der Besitzer des Kessels sagte: "Der Kessel ist gestorben?"
Der Chodja antwortete: "Mein Herz, damals, als Dein Kessel gebar,
war Gott der Erhabene mächtig, jetzt glaubst Du nicht, dass Dein
Kessel gestorben ist!"
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