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Schülerprogramme,
JAPAN In meiner Gastfamilie habe ich mich schnell eingewöhnt. Dinge, die am Anfang sehr spannend waren, wie das japanische Bad, sämtliche Regeln, die das Tragen oder auch Nicht-Tragen von Schuhen in Japan mit sich bringt; Wer sitzt wo am Esstisch? Wem gehören welche Ess-Stäbchen? Welchen Zug muss ich zur Schule nehmen? Wann soll ich abends zu Hause sein? Das japanische Essen... habe ich knapp zwei Wochen lang mit meiner Gastmutter und -schwester auf das genaueste studiert. Dadurch, dass die ganze Familie sehr offen und auch humorvoll ist, hatte damit auch praktisch keine Probleme. Dafür gab es andere Dinge, weniger deutliche, wie zum Beispiel, dass man zum Öffnen der Haustür den Schlüssel in die entgegen gesetzte Richtung dreht, oder dass der Wasserhahn geöffnet wird, indem man den Hebel nach unten drückt. Da musste ich schon erst ein paar Male für einige Minuten am Schloss rumwerkeln und den Küchenboden nicht nur einmal unter Wasser setzen, bis ich das verdaut hatte. Man könnte meinen, jetzt, nach vier Monaten, sollte man durch das Gröbste an Neuem durch sein, aber auch wenn manche Situationen nicht mehr wirklich neu sind, haben sie doch nicht allzu viel von ihren ursprünglichen "Überraschungseffekt" verloren. Die ersten Male im Tokyoter U-Bahn-Netz waren Erlebnisse sondergleichen und auch jedes Mal, wenn ich zu dem vom Komitee organisierten Sprachunterricht nach Yokohama fahre, staune ich, wie voll es schon dort ist. Ein tolles Ereignis ist, in Tokyo an einer großen Straßenkreuzung zu stehen. Wenn für alle Autos rot ist, ist die Kreuzung frei gegeben für Fußgänger. Das macht sich dadurch bemerkbar, dass eine Marschmusik aus irgendeinem Lautsprecher zu dröhnen anfängt und sich die Kreuzung blitzartig in einen Platz voller herumwuselnder schwarzer Haarschöpfe verwandelt (natürlich nur aus meiner Perspektive). Bleibt zu hoffen, dass ich mich nicht auf einmal gänzlich verlassen fühle, wenn ich mich in der dörflichen Gegend der schwäbischen Alb wiederfinde. Ebenso wie die vielen Menschen sind mir auch all die Regeln noch etwas fremd, die die hierarchisch aufgebaute japanische Gesellschaft mit sich zieht. Gerade beim japanischen Bogenschiessen, das ich seit April lerne, kriege ich das noch in alter Form mit. Gepflogenheiten wie verschiedene Höflichkeitsstufen, je nach Verhältnis zum Gesprächspartner, oder Verbeugen vor dem Bild des Schulgründers sind schon sehr anders als alles, was ich bisher so kannte. Mit der Sprache komme ich schon ganz gut zurecht, aber einige tausend Schriftzeichen sind dann doch nicht "mal eben so nebenher" mitzukriegen. Da werde ich wohl noch ein bisschen Zeit reinstecken müssen, wenn ich fähig sein möchte, z.B. die Zeitung zu lesen. Vielleicht sollte ich jetzt mal aufhören, die Unterschiede aufzuzählen, denn gerade in letzter Zeit fallen mit immer mehr Gemeinsamkeiten beider Länder auf, die mir Japan und Deutschland gar nicht mehr so weit entfernt scheinen lassen. Ich werde versuchen, in nächster Zeit noch ein bisschen tiefer reinzukommen in das japanische Leben, denn wer weiß schließlich nicht, dass man in Japan Sushi isst, dass es hier wunderschöne Kimonos gibt und dass der Nationalsport Sumo heisst. Schwerer wird es, wenn man feststellen muss, dass Hähne nicht mehr "kikkerikki", sondern "kokkekokko" krähen, dass Pferde "chichien" wiehern und dass der Krankenwagen mit einer "pipopipo"-Sirene durch die Straßen rast. Wegen dieser kleinen Dinge, von denen es bestimmt viele gibt, die ich noch nicht kenne, und auch einfach, weil ich Japan nach wie vor für ein wunderschönes Land halte, bin ich froh, hier noch sechs weitere Monate verbringen zu können. Autor: Charlotte Siegel, mit AFS in Japan, 1999/2000" |
| Aktualisiert: Februar 2004 - Youth-Pel.de |